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  • Bürstenschwanz-Rattenkänguru beim medizinischen Training im Zoo Zürich.

    Scheue Pilzgourmets im Tiertraining

    Bürstenschwanz-Rattenkängurus, oder kurz Woylies, lieben Pilze. Insbesondere Trüffelartige, die unter der Erde wachsen. Das macht sie – zumindest aus menschlicher Perspektive – zu echten Gourmets. Für die Tiere selbst sind die Pilze schlicht Nahrung, auf die sie sich spezialisiert haben. Seit letztem Herbst kann die gefährdete und in ihrem ursprünglichen Lebensraum Australien ökologisch besonders wertvolle Art im Zoo Zürich beobachtet werden. Damit die Tierpfleger*innen bei den eher scheuen Woylies dennoch regelmässig einen Gesundheitscheckup durchführen können, wird fleissig mit den kleinen Beuteltieren trainiert – was sich bereits ausgezahlt hat.

    Die Ohren sind gespitzt, die Augen wachsam. Als Kleinsäuger muss man immer auf der Hut sein – Gefahren lauern überall. Zumindest in der Natur. Im Zoo Zürich ist es der Tierpfleger, der skeptisch beäugt wird. Er hockt nur einige Meter entfernt am Boden und streckt dem Woylie eine kleine rote Kugel an einem Holzstab entgegen. Das Interesse des Mini-Kängurus ist geweckt. Denn es hat bereits gelernt: Rote Kugel gleich feine Insektenlarve – auch diese stehen bei Woylies ganz oben auf der Beliebtheitsskala. 

    Nach kurzem Zögern und einem letzten Sicherheitscheck hüpft es daher die letzten Meter zum Tierpfleger, horcht ein letztes Mal auf und greift dann zu: Erst die Kugel und kurz danach die Insektenlarve zur Belohnung. Training erfolgreich absolviert. 

    Entzündung frühzeitig entdeckt

    Hinter dem Erfolg steckt jede Menge Geduld und Ausdauer – und natürlich einige Leckerbissen. Bereits seit mehreren Monaten übt das Tierpflege-Team im Lebensraum Australien immer wieder mit den Tieren verschiedene medizinische Trainings, auch das sogenannte Target-Training. Beim sogenannten Target handelt es sich häufig um eine Kugel, die je nach Grösse des Tieres variiert und in der Regel am Ende eines Stabs steckt. Das wahrt eine gewisse Distanz zwischen Tier und Tierpfleger*in.

    Inzwischen klappt das Training so gut, dass die drei Woylies im Zoo Zürich die Kugel sogar mehrere Sekunden lang heben, sich strecken, wenn die Kugel gehoben wird und sich abtasten lassen. So konnte zuletzt bei einem der Woylies eine Beutelentzündung frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden. Da die Tiere grösstenteils nachtaktiv und eher scheu sind, werden Krankheiten und Verletzungen oft erst spät erkannt, wenn kein medizinisches Training erfolgt. 

    Saisonaler und vielfältiger Speisezettel

    Neben Insektenlarven bevorzugen Woylies verschiedene Knollen und Wurzeln wie Randen, Sellerie oder Karotten. Auch Kräuter und Samen stehen auf ihrem Speiseplan. Ihre Hauptnahrung – hauptsächlich im Sommer und Herbst verfügbar – sind aber Pilze. 

    Woylies fressen nicht nur die Pilzfruchtkörper, die über der Erdoberfläche wachsen, sondern ernähren sich auch besonders gern von unterirdisch wachsenden Pilzen. Der Aussenbereich des Woylie-Lebensraums wurde daher im vergangenen Jahr mit Pilzmyzel geimpft. Dies ermöglicht es den Beuteltieren zukünftig, ihre natürliche Verhaltensweise auch im Zoo auszuleben und ausgiebig nach Pilzen zu graben und zu suchen. 

    Besonders wichtig für ein intaktes Ökosystem

    Bürstenschwanz-Rattenkängurus sind besonders gute Graber und Buddler. Ausgestattet mit langen und kräftigen Krallen ist kaum ein Boden zu hart für sie. Das macht sie zu sogenannten Ökosystem-Ingenieuren in ihrer eher trockenen und sandigen Heimat Australiens. Ökosystem-Ingenieure sind Tierarten, die einen massgeblichen Einfluss auf das Ökosystem haben, in dem sie leben. Von ihrer Anwesenheit profitieren zahlreiche weitere Arten. 

    Durch die Grabtätigkeiten der Woylies wird der Boden aufgelockert, durchmischt und belüftet. Das fördert wiederum das Wachstum von Pflanzen und verbessert die Wasseraufnahme des Bodens. Durch das Fressen der verschiedenen Pilze, vor allem auch der unterirdischen werden die Sporen mit dem Kot der Beuteltiere verbreitet. Dadurch entstehen mehr Symbiosen zwischen Pflanzen und Pilzen, was deren Nährstoffversorgung verbessert. 

    Hoffnung für eine fragile Art

    In Gegenden, in denen das Bürstenschwanz-Rattenkänguru früher verbreitet war und heute fehlt, verarmt die Biodiversität – mit den entsprechenden negativen Folgen. Dies lässt sich bereits vielerorts in Australien beobachten. Das hat dazu geführt, dass vor Ort Schutzmassnahmen ergriffen wurden. Dank dieser konnte sich der stark unter Druck stehende Bestand in den vergangenen 10 Jahren deutlich erholen. Aktuell kommt die Art in 19 Gebieten vor, mit einer Populationsgrösse von schätzungsweise 140'000 Tieren. 

    Beim letzten Update der Roten Liste vom Februar 2025 wurde das Bürstenschwanz-Rattenkänguru daher von «vom Aussterben bedroht» auf vorläufig «potentiell gefährdet» herabgestuft. Vorläufig, weil es diese Kategorie nur sehr knapp erreicht hat und weil die Population der Art in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehrfach starken Schwankungen ausgesetzt war. Wenig reicht aus, um die Bestände erneut drastisch zu dezimieren. 

    Erfolgreiche Schutzmassnahmen bleiben essenziell

    Zu den grössten Gefahren zählen neben dem Verlust von Lebensraum vor allem der Klimawandel sowie die Konkurrenz und Bedrohung durch die Einschleppung gebietsfremder und oft schädlicher Arten. Australien gilt als Kontinent der invasiven Exoten. Im Australienhaus macht der Zoo Zürich auf diese Problematik mit einer umfassenden Ausstellung aufmerksam. 

    Die grössten Überlebenschancen haben Woylies aktuell daher in eingezäunten Schutzgebieten, die frei von invasiven Beutegreifern wie Füchsen oder Katzen sind. Die Art konnte so an mehreren Orten erfolgreich wiederangesiedelt werden. Allerdings ist das Aufrechterhalten der verschiedenen Schutzmassnahmen essenziell für einen dauerhaften Erfolg. 

    In Zukunft dürften die Klimaveränderung und in der Folge, das Auftreten von anhaltenden Dürreperioden, zu einem weiteren Problem für die Art werden. Bereits die schwerwiegende Dürreperiode 2023/2024 im Südwesten Australiens, dem Hauptverbreitungsgebiet der Art, hat zu einer erneuten spürbaren Reduzierung der Population geführt. 

    Zerbrechliche Natur

    Der Kampf um den Fortbestand des Bürstenschanz-Rattenkängurus ist ein gutes Beispiel für die Zerbrechlichkeit der Natur. Oft reicht wenig aus, um massive Veränderungen herbeizuführen. Gerade wenn Arten betroffen sind, die für das Funktionieren eines Ökosystems besonders bedeutsam sind, sind die Folgen schneller offensichtlich. 

    Der Fokus des Zoo Zürich liegt daher auch bei dieser Art auf der Beteiligung am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP. Dadurch ist der Fortbestand der Art nicht nur durch Schutzmassnahmen vor Ort, sondern auch durch die Haltung einer Reservepopulation in Zoos gesichert.

    VIDEOS

    Die Videos sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

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    Video mit UT

    Video: Zoo Zürich, Sandro Schönbächler

    Rohschnitt ohne UT

    BILDER

    Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

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    Bürstenschwanz-Rattenkänguru mit Pilz im Zoo Zürich.

    Auch Speisepilze wie Champignons sind beliebt bei Bürstenschwanz-Rattenkängurus. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini.