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  • Zooführung für Menschen mit Demenz

    Besonderes Erlebnis für Menschen mit Demenz

    Bereits seit sieben Jahren gibt es ein ganz besonderes Angebot im Zoo Zürich: Führungen für Menschen mit Demenz. Um den Bedürfnissen der Menschen mit dieser Erkrankung gerecht zu werden und Ihnen dennoch einen Zoobesuch zu ermöglichen, wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein Alzheimer Zürich eine spezielle Zooführung konzipiert. Für dieses Engagement werden der Zoo Zürich und vor allem seine Zooführer*innen in diesem Jahr mit einer Auszeichnung geehrt.

    Am Gruppentreffpunkt des Zoos, direkt vor dem Haupteingang, steht eine Gruppe von etwa 15 Menschen und wartet darauf, abgeholt zu werden. Die bunt gemischte Truppe hat sich für eine Zooführung angemeldet. Das ist so weit nichts Ungewöhnliches, Führungen gehören zum Zooalltag. Und doch ist dies ein besonderer Anlass.

    Demenz-Patientin hält Hand ihrer Betreuerin.

    Menschen mit Demenz benötigen Halt und Unterstützung, um sich sicher zu fühlen. Berührungen sind sehr wichtig. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich

    Denn die Teilnehmer*innen dieser Zooführung sind an Demenz erkrankt. Begleitet werden sie von den Menschen, die sich um sie kümmern, sie durch den Alltag begleiten. Ein Alltag, der sich von dem der meisten Menschen deutlich unterscheidet. Denn wer an Demenz erkrankt ist, nimmt die Welt um sich herum zunehmend anders wahr.

    Humboldt-Pinguine im Zoo Zürich

    Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Langzeitgedächtnis bleibt erhalten

    Demenz ist nicht heilbar. Lediglich die Symptome können gemildert bzw. das Fortschreiten der Krankheit kann gebremst werden. Wer erkrankt, verliert im Verlauf der Krankheit immer mehr Fähigkeiten und Fertigkeiten, die zuvor selbstverständlich waren. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis leidet. Alltägliches wird zur Herausforderung, weil man plötzlich nicht mehr weiss, was man eigentlich gerade tun wollte oder wie die Kaffeemaschine bedient wird. 

    Was dagegen weniger stark leidet, ist das Langzeitgedächtnis. Wer also in der Vergangenheit ab und an einen Zoo besucht hat, bei dem sind auch mit Demenz noch Erinnerungen daran im Hirn abgespeichert, die teilweise wieder hervorgeholt werden können. Oder wer viel in der Natur unterwegs war und eine Faszination für Tiere hat, verbindet damit Emotionen, die nicht vollständig verloren sind. Das Potenzial eines Zoobesuchs liegt also darin, bei manchen Demenzpatient*innen besondere Momente des Erinnerns zu schaffen oder ihnen einfach ein schönes Erlebnis zu ermöglichen.

    Frau schaut Pinguinen beim Schwimmen zu.

    Erinnerungen an frühere Zoobesuche sind oft noch im Langzeitgedächtnis abgespeichert und abrufbar. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich

    Die Zooführungen für Menschen mit Demenz unterstützen dabei, Erinnerungen hervorzuholen. Es gilt jedoch, behutsam vorzugehen und Überforderung zu vermeiden. Vor allem die richtige Kommunikation ist wichtig. Denn die Veränderungen im Gehirn betreffen auch Regionen, die für die Sprachfähigkeit zuständig sind. Mit zunehmendem Abbau der kognitiven Fähigkeiten können sich Menschen mit Demenz beispielsweise Gesprächsinhalte nicht mehr merken und stellen wiederholt dieselbe Frage. Auch fällt es ihnen zunehmend schwer, einem Gespräch zu folgen; sie verlieren den Faden, können Informationen schlechter verarbeiten.

    Fokus auf Berühren und Anfassen

    Besonders wichtig sind daher Geduld, Ruhe, Gelassenheit und die Fähigkeit, verständnisvoll auf das Gegenüber einzugehen. Mit dem Fortschreiten der Krankheit gewinnt auch die nonverbale Kommunikation an Bedeutung. Gestik und Mimik sollten eindeutig und gut lesbar sein. Auch ist diese Zooführung kürzer als üblich, sie verweilt länger an einem Ort und lässt so mehr Zeit zur Wahrnehmung.

    Eine Besonderheit der Führung ist der Fokus aufs Haptische. Es gibt für die Teilnehmer*innen viele Möglichkeiten, etwas in die Hand zu nehmen, zu erfühlen oder genauer zu betrachten; quasi ein Erlebnis mit allen Sinnen. Das kann nicht nur Erinnerungen triggern, es macht das Erklärte auch greifbarer und damit besser erlebbar. Auf einmal erwachen Menschen, die zuvor oft ruhig und still waren. Sie sind interessiert, stellen Fragen, blühen auf.

    Zooführer Martin Bucher zeigt die Nachbildung eines Pinguineis
    Nachbildung Pinguin-Ei zum Befühlen während Zooführung.
    Pinguinfedern zum Anschauen bei einer Zooführung.
    Ei einer Galapagos-Riesenschildkröte im Zoo Zürich.

    Unterstützt durch die Zürcher Kantonalbank

    Darum werden alle Zooführer*innen, die auch Führungen für Demenzerkrankte übernehmen, besonders ausgebildet. Die Schulung erfolgt durch den Verein Alzheimer Zürich, der diese Führungen in Kooperation mit dem Zoo anbietet. Initiantin der Zusammenarbeit dieser zwei Institutionen ist die Zürcher Kantonalbank. Die gemeinsame Sponsoringpartnerin fördert seit Beginn vor sieben Jahren das aussergewöhnliche und kostenlose Inklusionsprojekt für Menschen mit Demenz.

    Kopf von hinten mit Schriftzug "Alzheimer".

    Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich

    Besondere Ehre für den Zoo

    Für dieses spezielle Engagement des Zoo Zürich und vor allem das seiner Zooführer*innen werden der Zoo und die Zooführer*innen in diesem Jahr mit dem Fokuspreis von Alzheimer Zürich ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich als Anerkennung der Leistung und des Einsatzes für Menschen mit Demenz an Personen oder Organisationen verliehen. Für Demenzerkrankte ist der Alltag eine grosse Herausforderung. Mit einer Freizeitgestaltung, die sinnstiftend und bereichernd ist, lässt sich dieser auflockern und ermöglicht Betroffenen neue und wertvolle Erlebnisse.

    Starke Zunahme von Demenzerkrankungen bis 2050

    Aktuell leben 153'000 Menschen mit Demenz in der Schweiz. Jährlich kommt es zu 32'900 Neuerkrankungen, das heisst alle 16 Minuten erkrankt jemand neu an Alzheimer oder einer anderen Demenz. 66 Prozent der Menschen mit Demenz sind Frauen. Über 7800 Menschen, rund 5 Prozent aller Menschen mit Demenz, erkranken vor dem 65. Lebensjahr. Im Jahr 2050 sind voraussichtlich 315’400 Menschen an Demenz erkrankt, denn der grösste Risikofaktor ist das Alter.

    Weitere Informationen zum Thema Demenz sind unter folgendem Link abrufbar:

    Alzheimer Schweiz

    Zooführer*innen des Zoo Zürich nehmen Fokuspreis entgegen.
    Beatrice Gfeller von Alzheimer Zürich mit dem Fokuspreis 2024.
    Übergabe der Einzelpreise bei der Fokuspreisverleihung von Alzheimer Zürich.
    Doris Kyburz nimmt den Fokuspreis stellvertretend entgegen.
    Fokuspreis von Alzheimer Zürich
    Guetzli Fokuspreis Alzheimer Zürich 2024