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  • Roter Vari im Masoala Regenwald des Zoo Zürich.

    Vernichtender Einfluss des Menschen auf die Artenvielfalt

    Der Mensch ist einer der wesentlichen Treiber für den rasant voranschreitenden Verlust der globalen Artenvielfalt. Dies bestätigt nun eine der umfangreichsten Studien zum Thema, die kürzlich im renommierten Fachmagazin Nature erschienen ist. Die Forscher*innen liefern darin einen eindringlichen Weckruf und unterstreichen die Notwendigkeit effektiver Schutzmassnahmen. Der Zoo Zürich unterstützt dies und leistet mit seinen weltweit acht Naturschutzprojekten, der Zucht gefährdeter Arten, der Erforschung der Tierwelt sowie der Bildung seiner Gäste seinen Beitrag.

    «Der menschliche Einfluss, den wir finden, ist teilweise derart stark, dass sogar Anzeichen zu sehen sind, die auf einen völligen Zusammenbruch der Artengemeinschaften hindeuten könnten», erklärt Florian Altermatt, einer der Hauptautoren der Studie. Der Ökologe forscht am Wasserforschungsinstitut Eawag und der Universität Zürich - die beiden wissenschaftlichen Einrichtungen, die hinter der Publikation stehen.

    Erschienen ist die umfangreiche Studie im Fachmagazin Nature mit dem Titel «The global human impact on biodiversity» (veröffentlicht am 26. März 2025). Sie präsentiert die bislang umfassendste globale Analyse der Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Artenvielfalt. Die Studie basiert auf 2'133 wissenschaftlichen Publikationen mit Daten von 97'783 Standorten weltweit und aus allen Ökosystem. Sie vergleicht verschiedene Tier- und Pflanzengruppen, Lebensräume und die fünf wichtigen Faktoren, durch die der Mensch die Natur massgeblich beeinflusst: Veränderung der Lebensräume, Übernutzung der natürlichen Ressourcen, Umweltverschmutzung, Klimawandel und eingeschleppte Arten. Verglichen wurden jeweils stark beeinflusste Standorte mit entsprechenden weitestgehend unbeeinflussten Referenzstandorten des gleichen Ökosystems. Dabei kommen die Wissenschaftler*innen zu drei zentralen Erkenntnissen:

    • Abnahme der Artenvielfalt:
      Im Durchschnitt war die Anzahl Arten an vom Menschen beeinträchtigten Standorten nahezu um ein Fünftel tiefer als an unbeeinflussten Vergleichsstandorten. Besonders stark ist der Verlust von Wirbeltierarten wie Amphibien, Reptilien und Säugetieren. Bei wirbellosen Arten ist der Verlust etwas geringer, da ihre Populationen sehr viel grösser sind als die von Wirbeltieren und damit das Aussterberisiko teils geringer.
    • Verschiebung der Artengemeinschaft:
      Der Mensch verändert deutlich, welche Tiere und Pflanzen an einem Ort leben – egal ob an Land, im Süsswasser oder im Meer. Spezialisierte Arten verschwinden. Beispielsweise Insekten, die in enger Symbiose mit einer bestimmten Pflanze leben. Arten, die dagegen weniger spezialisiert sind, nehmen zu. Die Zusammensetzung von Artengemeinschaft gilt ebenfalls als Schlüsselaspekt für die Biodiversität.
    • Veränderung der Artenzusammensetzung:
      Früher dachte man, dass sich die Artenzusammensetzung in vergleichbaren Lebensräumen durch den Einfluss des Menschen immer mehr angleicht. Beispielsweise, dass in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten, die immer gleichen Arten vorkommen. Die Studie zeigt aber, dass dies nicht der Fall ist. Teilweise fand eine sehr starke Angleichung statt, teilweise wurden Artengemeinschaften sogar eher verschiedener – vor allem auf lokaler Ebene. Der Befund ist daher zwar überraschend, aber nicht beruhigend. Beides ist eine Veränderung verursacht durch den starken Einfluss des Menschen auf die Natur.

    Fazit: Was der Mensch tut, verändert überall auf der Welt, welche Tiere und Pflanzen in den unterschiedlichen Ökosystemen zusammenleben, wie sie zusammenleben und wie viele es von ihnen zukünftig noch gibt.

    Samtschrecke im Insektenwald des Zoo Zürich.

    Eine vom Aussterben bedrohte Samtschrecke im Insektenwald des Zoo Zürich.
    Foto: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister

    Schutz der Artenvielfalt dank modernem Zoo

    «Um genau dieser globalen Biodiversitätskrise entgegenzuwirken, setzen wir uns als Zoo Zürich mit unseren vier Hauptaufgaben Naturschutz, Artenschutz, Forschung und Bildung für den Erhalt der Artenvielfalt ein», bekräftigt Zoodirektor Severin Dressen die Rolle eines modernen Zoos. Mit den weltweit acht Naturschutzprojekten sorgt der Zoo für den Schutz bedrohter Ökosysteme. Für den Artenschutz züchtet er im Rahmen der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) gefährdete Tierarten zum Aufbau von Reservepopulationen in Zoos. Mit Forschungsprojekten im Zoo wird Wissen erzeugt, welches wiederum im Natur- und Artenschutz angewendet werden kann. Und mit verschiedenen Bildungsangeboten begeistert er jährlich 1.2 Millionen Gäste und motiviert sie gleichzeitig für den Schutz der lokalen sowie globalen Artenvielfalt.

    Annam Bachschildkröte im Zoo Zürich.

    Die Annam Bachschildkröte ist in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Zentralvietnam extrem selten geworden. Schätzungsweise gibt es nur noch wenige hundert bis tausend Tiere.
    Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Ein gemeinsamer Plan

    Wir, als einzelner moderner und wissenschaftlich geführter Zoo, sind im Schutz der Artenvielfalt jedoch nur ein Puzzleteil. Um so viel wie möglich zu erreichen, sind vereinte globale Kräfte im Sinne des One Plan Approach der Weltnaturschutzunion IUCN nötig. Dies ist ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem alle Massnahmen zur Bewahrung der Artenvielfalt ineinandergreifen und voneinander profitieren. So wird das Maximum an Schutz für gefährdete Tierarten erzielt. 
    Dem One Plan Approach sind nicht nur wissenschaftlich geführte Zoos verpflichtet, sondern auch lokale Naturschutzorganisationen, Regierungen sowie zahlreiche weitere am Natur- und Artenschutz beteiligte Organisationen. Statt nebeneinanderher zu arbeiten, propagiert der One Plan Approach eine gemeinsame Sichtweise. Das Erreichen der Trendwende in der Krise der Artenvielfalt ist eine Mammutaufgabe, die nur gelingt, wenn alle Akteur*innen Hand in Hand zusammenarbeiten und wenn wir als Menschen die Verantwortung für unseren Einfluss auf die Artenvielfalt übernehmen und gegensteuern!

    Schwalbensittich im Zoo Zürich

    Der Schwalbensittich steht kurz vor dem Aussterben, da sein Lebensraum durch Waldrodungen stark schrumpft.
    Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess