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  • Amurtiger Zeya im Zoo Zürich.

    Eröffnung Panthera: Lebensraum für Tiger, Löwe, Schneeleopard – und Samtschrecke

    Imposant liegt er da: Der Tiger – mitten auf dem «Catwalk» über den Köpfen der Zoogäste. Seine feine Nase nimmt den Geruch der gerade noch dort gelegenen Asiatischen Löwen auf. Einige Schritte weiter, hängt eine Samtschrecke im Geäst des Insektenwalds. Alle drei Arten sind bedroht und alle drei finden ihr neues Zuhause im Lebensraum Panthera. Damit geht der Zoo Zürich einen weiteren Schritt in Richtung Zoo der Zukunft und beweist einmal mehr grosse Innovationskraft. Panthera optimiert nicht nur die tiergerechte Haltung von Grosskatzen. Mit dem Insektenwald rückt auch der Verlust der Artenvielfalt in dieser Tiergruppe in den Fokus der Aufmerksamkeit.

    Wer künftig die Grosskatzen im Zoo Zürich beobachten möchte, der muss sich auf die Suche begeben. Denn im neuen Lebensraum Panthera gibt es keine festen Aufenthaltsorte mehr für Amurtiger, Asiatische Löwen und Schneeleoparden. Das Rotationsprinzip ist fester Bestandteil des neuen Lebensraums. Alle vier Bereiche von Panthera sind miteinander verbunden und werden von allen drei Grosskatzenarten gleichermassen und abwechselnd – nie jedoch zeitgleich – genutzt.

    Mehr Herausforderung für mehr Tierwohl

    «Für die Grosskatzen im Zoo Zürich bedeutet das Rotationsprinzip permanente Neuorientierung und Sicherheitschecks. Jedes Mal, wenn sie den Bereich wechseln, müssen sie diesen erst auf potenzielle Konkurrenten überprüfen und ihr Revier neu markieren. Der Geruch des Vorgängers ist überall. Das ist herausfordernd und das ist gut. Gut für das Wohlbefinden und gut für die Gesundheit der Tiere. Tiere, die nur selten oder wenig kognitiv gefordert werden, sind erwiesenermassen weniger robust. Was also im ersten Moment paradox klingt, ist tatsächlich sehr sinnvoll», erklärt Zoodirektor Severin Dressen. 

    Spektakulärste Verbindung zwischen den verschiedenen Bereichen von Panthera ist der 17 Meter lange und mit einem dicken Rottannenstamm versehene Übergangssteg, der Catwalk, welcher über die Köpfe der Zoogäste hinweg führt. Auch er bietet viel Mehrwert – nicht nur den Zoogästen, die die Tiere aus einem ganz neuen Blickwinkel erleben, sondern auch den Katzen. Katzen haben gerne alles im Blick. Zwischen Ästen und umgeben von zahlreichen Grünpflanzen findet jede Katze einen idealen Beobachtungsposten.

    Misserfolg gehört zum Konzept

    Ebenfalls neu sind eine grosse und zwei kleinere Futterseilbahnen sowie zwei Futterbäume. Diese ermöglichen es den Tieren ihren natürlichen Jagdinstinkt auszuleben und dabei wie in der Natur auch, Misserfolg zu erfahren. Nur etwa jeder zehnte Jagdversuch ist in der Wildnis erfolgreich. Die allermeiste Zeit gehen Löwe, Tiger und Schneeleopard leer aus. Genau das kann mit der grössten der drei Futterseilbahnen simuliert werden.

    Mit bis zu 40 Stundenkilometern saust die Beute künftig in der Höhe durch den Lebensraum. Um sie zu erwischen, braucht es schnelle Reflexe und eine gute Jagdtechnik. Ist die Katze zu langsam, fährt das Futter wieder raus aus dem Lebensraum und das Tier geht leer aus. Fasten gehört zum Alltag einer Grosskatze.

    Was für die Katzen eine Herausforderung ist, ist für die Zoogäste spannend zu beobachten. Einerseits ist es faszinierend, die mächtigen Tiere bei der Jagd zu sehen, ihre Kraft zu erleben und gleichzeitig zu verstehen, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Wenn immer möglich, wird der Zoo ganze Tiere aus dem eigenen Tierbestand verfüttern.  

    Arterhalt durch Zucht

    Alle drei Grosskatzenarten gelten nach der Roten Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN als mindestens bedroht. Schneeleoparden und Amurtiger gibt es schätzungsweise je noch rund 3000 fortpflanzungsfähige Tiere in der Wildnis. Tendenz abnehmend. Die Population des Asiatischen Löwen beläuft sich auf nur noch rund 350 Tiere, die alle im Gir Forest Nationalpark in Indien leben. Ihr Bestand gilt als zurzeit stabil, durch die räumliche Begrenzung aber auch als anfällig. Wenig reicht aus, um die Art auszulöschen. 

    Bei allen drei Arten beteiligt sich der Zoo Zürich daher an den Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen EEP für die bedrohten Grosskatzen. Dafür wurden dem Zoo vom jeweiligen EEP Tiere zugewiesen, die für den Fortbestand einer stabilen Reservepopulation der drei Arten relevant sind und in den kommenden Jahren züchten sollen. Bei den Asiatischen Löwen und dem Tigermännchen wie -weibchen handelt es sich um Neuzugänge. Das bereits zuvor im Zoo Zürich lebende Schneeleopardenpaar kehrt zurück. 

    Parallel zum Artenschutz setzt sich der Zoo Zürich auch für den Schutz des natürlichen Lebensraums von Tigern ein – dies im Rahmen des Naturschutzprojekts Kaeng Krachan in Thailand. Hier zeigt das langjährige Engagement bereits Wirkung. Im Dezember vermeldeten die lokalen Naturschutzpartner erstmals eine deutliche Zunahme der Tigerpopulation. 

    Mehr Aufmerksamkeit für Wirbellose

    Panthera ist aber nicht nur das Zuhause der Grossen, es ist auch das Zuhause der ganz Kleinen im Zoo. Quasi im Herzen des neuen Lebensraums, im ehemaligen Löwenhaus, befindet sich der neue Insektenwald, der auch eine Spinnenhöhle beherbergt. Er ist das Zuhause von 11 Insektenarten, einer Tausendfüsser-Art und zwei Spinnenarten und in dieser Form und Grösse einmalig. Der Insektenwald beherbergt derzeit rund 1000 Individuen.  

    Besonders sind auch die fehlenden Barrieren zwischen Tier und Zoogast. Im Insektenwald ist die Begegnung direkt und unmittelbar. Es ist ein Eintauchen in eine faszinierende und oftmals übersehene Welt. Und genau deswegen rückt der Zoo Zürich sie ins Scheinwerferlicht und liefert spannende Fakten zu den Wirbellosen. 

    «Ohne Insekten, ohne zahlreiche Wirbellose, würde unsere Welt wie wir sie heute kennen, nicht existieren. Diese Tierklasse ist das Rückgrat der biologischen Vielfalt. Nicht nur sind sie Nahrung für unzählige andere Tierarten, sie sorgen auch dafür, dass unser Boden gesund bleibt, Pflanzen Früchte tragen, Kot und Kadaver abgebaut werden – kurz gesagt: das Ökosystem intakt bleibt. Wir Menschen nehmen diese Dienstleistung meist als selbstverständlich. Das sollten und dürfen wir aber nicht, denn sie ist es nicht. In den letzten Jahrzehnten hat allein die Biomasse der Fluginsekten um etwa 75 Prozent abgenommen. Das ist dramatisch! Höchste Zeit für mehr Aufklärung!», betont Dressen.

    Artenreichste und unbekannteste Tierklasse

    Im Insektenwald leben exotische Wirbellose. Aktuell noch wenige bedrohte Arten. Das Konzept Insektenwald ist in der Zoowelt völlig neuartig und es bestehen kaum Erfahrungswerte. Diese müssen in den kommenden Monaten erst gesammelt werden. Langfristig sollen aber auch hier, wie überall im Zoo, vor allem gefährdete Arten einziehen und gezüchtet werden. 

    Tatsächlich ist das Wissen über Wirbellose und ihre Gefährdung am kleinsten. Ein immens grosser Teil dieser artenreichsten Tierklasse dürfte noch nicht einmal entdeckt sein. Zeitgleich ist der Druck auf die Insekten gross. Gerade auch auf unsere einheimischen Arten. Im Eingangsbereich des Insektenwaldes liegt der Fokus daher auf diesen. Auch für sie ist ein Lebensraum mit natürlichem Futterangebot und Nistmöglichkeiten entstanden. 

    Mit der Eröffnung des Lebensraums Panthera inklusive Insektenwald ist ein weiterer Meilenstein des Zoo-Zürich-Entwicklungsplans 2050 gelegt, der Faszination auf allen Ebenen mit den vier Hauptaufgaben – Naturschutz, Artenschutz, Forschung und Bildung – eines modernen Zoos verbindet. Der Lebensraum Panthera ist ab dem 28. März 2025 für alle Zoogäste zugänglich.

    Tierarten Panthera

  • Amurtiger (EN - stark bedroht): ein Weibchen (neu); ein Männchen (neu)
  • Asiatischer Löwen (EN - stark bedroht): zwei Weibchen (neu); ein Männchen (neu ab Sommer 2025)
  • Schneeleoparden (VU - bedroht): ein Weibchen (Rückkehr); ein Männchen (Rückkehr)
  • Kleiner Panda (EN - stark bedroht): ein Weibchen (geblieben); ein Männchen (geblieben)
  • Mehr Informationen zu allen Arten unter: Tierlexikon Zoo Zürich

    Tierarten Insektenwald

  • Samtschrecke (CR - vom Aussterben bedroht)
  • Javanische Riesenstabschrecke
  • Sungaya-Gespenstschrecke
  • Dorngespenstschrecke
  • Dornschrecke
  • Malaiische Riesengespenstschrecke
  • Malaiische Riesenstabschrecke
  • Riesenblattschrecke
  • Saphir-Rosenkäfer
  • Kongo-Rosenkäfer
  • Geisselspinne
  • Afrikanische Seidenspinne (LC - nicht gefährdet)
  • Afrikanischer Olivtausendfüsser
  • Riesenschildmantis
  • Mehr Informationen zu allen Arten unter: Tierlexikon Zoo Zürich

    Panthera in Zahlen

  • Rotationsprinzip mit 4 Teilbereichen
  • Übergangssteg Catwalk: 17 m lang; 28,5 t schwer (15 t nur Brücke)
  • Futterbaum: 2, mechanisch
  • Futterseilbahn klein: 2, mechanisch
  • Futterseilbahn gross: 1, elektrisch; 50 m lang; 6 m hoch; Maximalspeed 40 km/h
  • Gesamtfläche: 10.000 m²
  • Gesamtleitung & Landschaftsarchitektur: vetschpartner Landschaftsarchitekten AG
  • Architektur: L3P Architekten
  • Videos

    Das Video ist unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

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    Eröffnung Lebensraum Panthera (mit UT)

    Video: Zoo Zürich, Sandro Schönbächler

    Eröffnung Lebensraum Panthera (Rohschnitt)

    Video: Zoo Zürich, Sandro Schönbächler

    Bilder

    Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben. 

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    Bilder Insektenwald herunterladen

    Asiatischer Löwe im Zoo Zürich.
    Snow leopard at Zoo Zurich, March 2025.
    Black beauty stick insect in the insect forest at Zoo Zurich.