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  • Spaten und Tussockgras-Setzling auf der Insel Hummock im Frühjahr 2024.

    Voller Einsatz für eine grüne Insel

    Es geht vorwärts auf der einst intensiv für die Schafwirtschaft genutzten Insel Hummock im Westen der Falkland-Inseln. Schon über 90 Prozent der zuvor erodierten Flächen sind renaturiert. Ein Naturschutz-Erfolgsprojekt der Zusammenarbeit von Zoo Zürich und der Forschungsorganisation Antarctic Research Trust ART.

    Links und rechts am Körper von Sally Poncet hängen zwei schwere Rucksäcke prall gefüllt mit je 200 Tussockgras-Setzlingen. Ein Schultergurt hilft, das Gewicht zu tragen. Es ist kalt, windig und nass an diesem Tag im Mai 2024 auf der Insel Hummock im Westen der Falklandinseln nahe der Antarktis.

    Sally ist Ökologin und nicht allein unterwegs. Sie sind zu fünft, bewaffnet mit weiteren Setzlings-Rucksäcken, Schneckenbohrer und mehreren Spaten. Gemeinsam verfolgen sie eine Mission. Hummock soll wieder grün werden. Ein Paradies für unzählige Seevögel und Pinguine.

    Sally Poncet hält einen Tussockgras-Setzling in die Kamera auf Hummock.
    Vier Setzlings-Helfer auf Hummock.
    Helfer auf Hummock mit Setzlings-Rucksack und Schneckenbohrer.
    Sally Poncet und Helfer auf Hummock mit Tussockgras-Setzlingen.

    Es ist eine Mammutaufgabe und eine, woran der Zoo Zürich zusammen mit seinem Naturschutzpartner Antarctic Research Trust ART seit 2019 arbeitet. Mit Erfolg. Langsam, aber stetig erobert die Natur die einst durch intensive Schafwirtschaft kahlgefressene und von der Erosion stark geschädigte Insel zurück.

    Die Renaturierung von Hummock begann bereits, als noch Alex Rübel Direktor des Zoo Zürich war. Quelle: Antarctic Research Trust, naturemovie

    Für Sally ist es nicht der erste Einsatz auf Hummock und wohl auch nicht der letzte. Eine Insel wieder in ein Naturparadies zu verwandeln, braucht Zeit und Ausdauer. Zehn Tage ist der Trupp diesmal unterwegs. Am Ende werden sie 18'840 Setzlinge gepflanzt haben. Dafür sind sie täglich bis zu acht Stunden auf der Insel unterwegs und pflanzen, was das Zeug hält. Loch ausheben, Setzling rein, festdrücken. Gut 900 Setzlinge pro Person und Tag sind so möglich. 

    Pflanzen nur im Winter möglich

    Ein Knochenjob – und das bei jedem Wetter. Im Mai liegen die Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius. Kaum ein Tag, an dem es nicht regnet und an dem der Wind nicht kräftig bläst. Zwar wäre das Wetter im Sommer angenehmer, aber die Pflanzungen können nur von Herbst bis Frühling stattfinden. Im Sommer ist es zu trocken. Damit die Setzlinge gut anwachsen, brauchen sie ausreichend Wasser.

    Helfer auf Hummock bohren Löcher in den Boden für die Tussockgras-Setzlinge.

    Je nach Untergrund kommen unterschiedliche Geräte zum Einsatz, um die Löcher für die Setzlinge vorzubereiten. Foto: Antarctic Research Trust, Sally Poncet

    Mehrere Ebenen gilt es wieder zu begrünen und so die Abtragung der brachliegenden Erde ins Meer zu verhindern. Das ist wichtig in zweierlei Hinsicht. Nicht nur geht durch die Erosion wertvoller torfhaltiger Boden verloren, die vom Wind ins Meer geblasene Erde wirkt sich auch negativ auf die marine Artenvielfalt aus. Der dunkle Torfboden überdeckt einerseits den hellen Sandboden und das dortige Bodenleben. Andererseits reduziert er den Sauerstoffgehalt im Wasser und im Torf enthaltene organische Schadstoffe werden freigesetzt.

    Von der Felswüste zur Grünfläche

    Die Pflanzflächen, auf denen Sally und ihr Team unterwegs sind, sind über ganz Hummock verteilt und tragen aussagekräftige Namen wie Windy Valley, Jackass oder Mordor. So war Mordor vor fünf Jahren noch eine kahle, triste Torf- und Felswüste. Heute gedeiht das Tussockgras dort so gut, dass seit letztem Jahr sogar neue Setzlinge für weitere Bepflanzungen in der Nähe gewonnen werden können. 

    Grafik Pflanzflächen Hummock 2024.
    Tussockgras-Setzlinge auf einem Boot im Wasser.
    Blick auf die Pflanzfläche Mordor auf Hummock im 2022.
    Tussockgras-Setzlinge bereit zur Pflanzung auf Mordor-Pflanzfläche.
    Strand auf Hummock, teilweise noch mit Torferde bedeckt.

    Ein grosser Erfolg, konnten doch die ersten Tussockgras-Setzlinge nur an sehr wenigen Stellen auf der Insel gewonnen werden, weil es fast kein Tussockgras mehr gab. Per Schlauchboot mussten die Setzlinge dann an die zu bepflanzende Stelle auf Hummock gebracht werden.

    Neue Pflanzen für mehr Artenvielfalt

    Mittlerweile sind seit Beginn des Projekts mehr als 170'000 Tussockgras-Setzlinge gepflanzt worden. Über 90 Prozent der erodierten Flächen sind bereits renaturiert. Und doch ist die Arbeit noch nicht getan.

    Tussockgras wächst in grossen Büscheln, ist dick und schützt vor weiterer Erosion. Für eine lebendige Natur braucht es aber mehr Artenvielfalt. Und so werden seit 2023 neben Tussockgras auch Setzlinge anderer einst auf Hummock weit verbreiteter Pflanzenarten gesetzt: Magellan-Blaugras, Dreispaltige Segge, Fuchsschwänziges Rispengras, Glänzendweisses Greiskraut, Wilder Sellerie, Strauchveronika oder auch Strandwegerich.

    Eselspinguine zwischen

    Eselspinguine nutzen Hummock für eine Rast. Foto: Antarctic Research Trust, Sally Poncet

    Renaturierung auf natürlichem Weg

    In den kommenden Jahren werden die letzten noch brach liegenden Flächen bepflanzt und die Artenvielfalt weiter erhöht. Doch bereits jetzt ist die Insel auf dem besten Weg, sich selbst auf natürliche Weise weiter zu regenerieren. Ein Erfolgsprojekt, welches nur durch den grossen und unermüdlichen Einsatz vieler Menschen wie Sally vor Ort, aber auch durch die zahlreichen Spenden an die Naturschutzarbeit des Zoo Zürich möglich gemacht wurde.

    Pflanzfläche mit Setzlingen auf Hummock.

    Auch wenn schon viel erreicht ist, noch ist die Arbeit nicht getan. Noch immer liegen Flächen teilweise brach auf Hummock. Foto: Antarctic Research Trust, Sally Poncet