Medien-Apéro August: Zu Tisch im Masoala Regenwald
Was frisst eigentlich ein Rodrigues-Flughund? Und klaut der Rote Vari ihm das Futter? Vertilgt der Bienenfresser tatsächlich Bienen? Was lassen sich die Tierpfleger*innen des Zoo Zürich einfallen, damit jede Tierart im Masoala Regenwald optimal ernährt ist und kein Individuum in der tierischen Wohngemeinschaft zu kurz kommt? Zum 20-Jahre-Jubiläum gibt es neben allen Antworten einen Ausflug auf die sonst den Tierpfleger*innen vorbehaltenen Pfade durch das Mini-Ökosystem.
Rote Varis, Mähnenibisse, Rodrigues-Flughunde, Pantherchamäleons, Vasapapageien oder Bienenfresser: Seit 2003 leben im Masoala Regenwald des Zoo Zürich rund 40 verschiedene Tierarten gemeinsam in einem Lebensraum. Auf 11'000 Quadratmetern können sich die etwa 500 Individuen frei bewegen. Eine besondere Herausforderung dieser natürlichen Haltungsform ist die Ernährung, welche jeder Tierart angepasst und kontrolliert werden muss. Während einzelne Arten beispielsweise eine hohe Dosis an Vitamin C brauchen, kann diese anderen schaden.
Roter Vari
Wenn er könnte, würde er sich den ganzen Tag von süssen Früchten ernähren und auch mal vom «Nachbarsteller» naschen. Zu viel Zucker schadet aber seinen Zähnen und zu viel Vitamin C verträgt er nicht: der Rote Vari. Er kommt nur auf der Masoala Halbinsel vor und ist in der Natur durch die Abholzung seines Lebensraumes vom Aussterben bedroht. Im Zoo Zürich leben sieben Tiere, ein Männchen und sechs Weibchen, welche das Sagen haben.
Damit die Lemuren munter von Ast zu Ast springen können, fressen die Roten Varis im Masoala Regenwald Blätter, Blütennektar oder Früchte, zum Beispiel Papayas. Der Vitamin- und Zuckeranteil muss aber kontrolliert sein. Aus diesem Grund reichern die Tierpfleger*innen ihr Futter täglich mehrmals durch zucker- und Vitamin-C-arme Gemüserationen an, bestehend aus Randen, Gurken oder Chicorée – je nach Saison. Zusätzlich gibt es an definierten Futterstellen Affenpellets, eine Art Futterwürfel, mit passenden Inhaltsstoffen.
Rodrigues-Flughund
Auch die Flughunde mögen am liebsten reife Früchte. Sie zerstückeln das Fruchtfleisch im Mund, stossen die Fasern wieder aus und schlürfen den Saft. Im Gegensatz zum Roten Vari gehört ein hoher Vitamin-C-Anteil zur Ernährung der Flughunde dazu.
Doch wie können die Tierpfleger*innen garantieren, dass Orangen oder Mangos ausschliesslich von Flughunden gefressen werden und die Roten Varis sich nicht am «Flughund-Büfett» bedienen? Die Lösung ist eine sogenannte Futterampel. Ein Futterteller, der mithilfe einer Seilwinde hoch oben platziert wird. Da die flinken Varis sich den Zugang aber erkletterten, musste das Team noch kreativer werden und mithilfe einer Fässer-Konstruktion eine Art Barriere zum Futterteller der Flughunde schaffen.
Der Rodrigues-Flughund kommt in der Natur ausschliesslich auf der Insel Rodrigues vor und dies lediglich in einem einzigen Tal. Wildlebend gab es zwischenzeitlich nur noch 70 Rodrigues-Flughunde. Dank erfolgreicher Auswilderungen ist der Bestand inzwischen wieder auf 4000 Tiere angewachsen.
Mähnenibis
«Getrickst» beim Futter wird auch bei den Mähnenibissen. Die bodenlebenden Vögel fressen in der Natur Insekten, Insektenlarven, Würmer, Schnecken, Spinnen, Amphibien oder sogar kleine Reptilien. Einen Teil ihres Futters suchen sie im Masoala Regenwald des Zoo Zürich selbst zusammen. Eine ergänzende Portion Fleisch (zum Beispiel Hackfleisch, Insektenschrot, kleine Fische oder Muschelfleisch) erhalten sie vom Tierpflegeteam in einer «Stocherkiste», einer geschlossenen Box mit Deckel und kleinen Löchern. Ihre langen gebogenen Schnäbel erlauben es ihnen, das Futter herauszupicken. So wird gewährleistet, dass andere Tiere, vor allem Enten, von diesem Futter fernbleiben.
Europäischer Bienenfresser
Die Bienenfresser im Masoala Regenwald erhalten ihr Futter hoch auf dem Turm des Baumkronenweg-Wegs, der zum 10-Jahre-Jubiläum 2013 eingeweiht wurde. Die Vögel schnappen sich ihre Beute während des Fluges. Mit einem akustischen Signal locken die Tierpfleger*innen die Bienenfresser an und werfen ihnen lebende Heimchen (Hausgrillen) zu. Diese werden noch in der Luft verspeist. In der Wildnis fressen die Vögel wie es der Name vermuten lässt zusätzlich Bienen, aber auch Wespen. Vor dem Fressen töten die Bienenfresser ihre stachelige Beute und kneten sie durch, so dass sich deren Giftdrüsen vor dem Fressen entleeren. Die Bienenfresser sind seit 2013 im Bestand des Zoo Zürich.
Pantherchamäleon
Beim Chamäleon ist futtertechnisch nicht das Was, sondern vor allem das Wie interessant. Zu fressen gibt es für die Insektenfresser je nach Grösse Grillen oder Heuschrecken. Um sicherzustellen, dass die Pantherchamäleons genug bekommen, verteilen die Tierpfleger*innen die Insekten drei Mal pro Woche in Futterkörbe, welche sich in unmittelbarer Nähe der Tiere befinden.
Mit dem so genannten Zungenschuss schnappen sich die Pantherchamäleons ihre Beute, bevor diese in das Dickicht des Masoala Regenwaldes entschwinden könnten. Die Zunge der Chamäleons kann bis zu eineinhalbmal so lang werden wir ihr Körper. Im Mund ist sie nicht aufgerollt, sondern schlapp und zusammengezogen. Innerhalb einer Zehntelsekunde schiesst sie zu ihrem Opfer und saugt es an. Ein Sekret sorgt dafür, dass die Insekten besser haften bleiben und sicher im Maul landen.
En Guete!
| 20 Jahre Masoala Regenwald und Naturschutz |
| Am 30. Juni 2003 eröffnete der Zoo Zürich seinen wohl visionärsten Lebensraum. In üppigem Grün leben Tiere und Pflanzen schrankenfrei zusammen. Als funktionierendes Mini-Ökosystem ist die Anlage auch heute noch wegweisend. Durch das spezielle Erlebnis werden die Zoogäste auf den Arten- und Naturschutz sensibilisiert. Seit 1995 setzt sich der Zoo Zürich in der Region Masoala für den Naturschutz ein. Jährlich steuert er 125'000 US-Dollar an die Betriebskosten und den Nachhaltigkeitsfonds des Masoala Nationalparks bei. Zudem werden in der Umgebung Wiederaufforstungsprojekte und die Umweltbildung von Schulkindern unterstützt. Weltweit setzt sich der Zoo Zürich in insgesamt acht Naturschutzprojekten für den Schutz von bedrohten Ökosystemen ein. |
VIDEOS
Das Video ist unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Video: Futtertour im Masoala Regenwald – Version mit Untertiteln
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
Video: Futtertour im Masoala Regenwald – Rohschnitt ohne UT
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
BILDER
Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Lange Liste: Lieferplan der verschiedenen Früchte- und Gemüsesorten, die die zentrale Futterküche dreimal pro Woche in den Masoala Regenwald anliefert.
Copyright: Zoo Zürich, Daniel Egger
Bereit für die Futterrunde: Frisch gerüstetes Futter für die verschiedenen Tiere im Masoala Regenwald.
Copyright: Zoo Zürich, Daniel Egger
Die Roten Varis lieben süsse Früchte – sollten von diesen aber nicht zu viel essen.
Copyright: Zoo Zürich, Fabio Süess
Roter Vari beim Fressen im Masoala Regenwald.
Copyright: Zoo Zürich, Robert Zingg
Mähnenibis im Masoala Regenwald auf Futtersuche.
Copyright: Zoo Zürich, Fabio Süess
Mähnenibisse an der speziell für sie konstruierten Stocherkiste.
Copyright: Zoo Zürich, Daniel Egger
Rodrigues-Flughund im Masoala Regenwald.
Copyright: Zoo Zürich, Corinne Invernizzi
Bauchige Fässer über dem Seil schützen die Futterkörbe der Flughunde vor dem Zugriff der Roten Varis.
Copyright: Zoo Zürich, Daniel Egger
Tierpflegerin Daniela Kollmuss füttert auf dem Baumkronen-Weg im Masoala Regenwald die Bienenfresser.
Copyright: Zoo Zürich, Daniel Egger
Bienenfresser im Masoala Regenwald Regenwald des Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Pantherchamäleon im Masoala Regenwald frisst Heuschrecke.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Pantherchamäleon im Masoala Regenwald beim Fressen.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini